"Psychomotorik ist eine spezifische Methodik, welche die Identität körperlich-motorischer und psychischer Prozesse

zur Grundlage erzieherischen Handelns macht.“ (D. Eggert 1998: Theorie und Praxis psychomotorischer Förderung, S. 18)

 

Psychomotorik ist eine ganzheitliche, humanistische entwicklungs- und kindgemäße Art der Bewegungserziehung. Sie ist eine der kindgerechtesten Möglichkeiten zu einer ausgleichenden Persönlichkeitserziehung. Statt einer Leistungs- und Produktorientiertheit, die häufig an den Bedürfnissen der Kinder vorbei geht, statt einer Defektorientiertheit, die nur Makel, Störung und Defizite sieht, setzt die Psychomotorik auf eine Erlebnis- und Persönlichkeitsorientierung.

 

Psychomotorik an unserer Schule

Alle Kinder des 1. und 2. Schuljahres nehmen an der Psychomotorik teil. Der Inklusionsgedanke steht dabei für uns im Vordergrund. Wir wollen bewusst keine Ausgrenzung von verhaltensauffälligen und bewegungsschwachen Kindern in einer Fördergruppe. Wir bieten donnerstags den Psychomotorik-Tag an. Die Klassen werden in zwei Gruppen eingeteilt, die in einem zweiwöchigen Rhythmus wechseln, so dass jeweils die Hälfte einer 1. Klasse mit der Hälfte einer 2. Klasse zusammen zur Psychomotorik-Stunde kommt. Nach drei Monaten rotieren die Klassen in einen anderen Block, so dass jede Klasse einmal im Schuljahr im 1. Block des Psychomotorik-Unterrichts teilnimmt. Das hat den Hintergrund, dass die Hauptförderschwerpunkte der Psychomotorik:

  • Förderung der Ich-Kompetenz
  • Förderung der Sozial-Kompetenz
  • Förderung der Material-Kompetenz

verstärkt im 1. Block realisiert werden können, da dieser zeitlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Die Kinder des 2. und 3. Blocks finden die aufgebauten Stationen vor. Natürlich haben auch hier die drei Förderschwerpunkte noch ihren Anspruch, aber durch die Kürze der Blöcke ist die Intensität des Erlebens und Erfahrens der Kompetenzen begrenzt. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass alle Klassen den dreimonatigen Rhythmus einhalten. Die Kinder finden in der Psychomotorik Situationen und Handlungen vor, welche immer die o.g. Ziele beinhalten. Sie werden nicht durch "Übung“ und "Training“ mit ihren Schwächen konfrontiert, wie im herkömmlichen Sportunterricht, sondern lernen spielerisch, sich etwas zuzutrauen, Situationen, Gefahren und auch Handlungen zu bewältigen und für sich individuell positiv in ihre Erfahrungswelt zu integrieren. Durch ein hohes Maß an Motivation und Aufforderungscharakter gehen die Kinder von sich aus an die Geräte und Übungen heran. Sie haben dabei Zeit und können in Ruhe probieren und üben. Die Kinder stärken dabei nebenbei ihre Ich-Kompetenz. Kinder, die sehr ängstlich sind, die im herkömmlichen Sportunterricht nicht mithalten können, finden hier besonders einen Raum, in dem sie sich selbst erproben können.

Durch die gemeinsame Arbeit in der Gruppe werden die Kinder in ihrer Sozial-Kompetenz gefördert. Sie lernen im Team die Stationen aufzubauen. Dazu müssen sie sich absprechen. Pro Team gibt es einen Teamchef, er koordiniert und organisiert die Arbeit:

  • wer welches Material holt
  • was wird zuerst benötigt
  • wie werden die Stationen aufgebaut

Dies bedeutet ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und auch an Ich-Stärkung. Die Teamchefs wechseln, so dass jeder die Möglichkeit hat, freiwillig diese Rolle wahrzunehmen. Zurückhaltende und übervorsichtige Kinder werden durch den Aufbau von leichten Stationen an eine solche Rolle herangeführt. Die Kinder lernen verschieden Stationen kennen, welche sich in ihrer Materialbeschaffenheit unterscheiden, wodurch die Material-Kompetenz gefördert wird. Neben den drei Schwerpunkten der Psychomotorik werden selbstverständlich möglichst viele Förderziele angesprochen, diese sind:

  • Grobmotorik
  • Feinmotorik
  • Gleichgewichtssinn
  • Sozialverhalten
  • Konzentration
  • Entspannung
  • Körperkoordination
  • Wahrnehmung
  • Ausdauer
  • Reaktionsvermögen

Die Psychomotorikeinheit wird von zwei geschulten Lehrpersonen begleitet.